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Der Kapitän geht von Bord - ein Porträt

Florian Frisch, seit 2004 im Verein, hängt die Fußballschuhe an den Nagel

Der Kapitän geht von Bord: Florian Frisch, langjähriger Spielführer und schon seit 2004 beim 1. FC Bad Kötzting, hängt die Fußballschuhe an den Nagel. Der 32-Jährige hatte eigentlich schon vor im vorigen Sommer aufzuhören. Aber aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Saisonverlängerung bis 2021 blieb “Frische” noch dabei, wollte die auf zwei Jahre ausgedehnte Saison 2019/21 zu Ende spielen und sich dann vom Team und den Fans verabschieden. Doch Corona hat dem Vorhaben von Frisch einen Strich durch die Rechnung gemacht und nun muss der Capitano ohne noch einmal gespielt zu haben Abschied nehmen. Seine fußballerische Zukunft ist in soweit geklärt, dass sich Frisch erst einmal zurückziehen wird und aufgrund einer anstehenden Knorpel-OP im Knie mindestens ein Jahr Pause einlegen wird. Was dann kommt, das lässt der sympathische Fußballer, der ein Paradebeispiel für Zuverlässigkeit ist, erst einmal offen. Zu sehen sein wird der in Allersdorf lebende Kicker aber sicher bei dem einen oder anderen Heimspiel seines Herzensvereins am Roten Steg als Zuschauer.

Dass Florian Frisch den Pfingstrittstädtern so lange die Treue halten wird, das war nicht abzusehen. Frisch wurde am 10. September 1988 in Bad Kötzting geboren, wuchs aber in Lohberg auf und beim dortigen SV Lohberg begann die Karriere des damals E-Jugendlichen. In der C-Jugend bildete seinerzeit der SV Lohberg eine Spielgemeinschaft mit der SpVgg Lam. Nach der B-Jugend erfolgte sein Wechsel in die Badstadt zum 1. FC Bad Kötzting. “Ich habe im zweiten A-Jugendjahr bereits bei der ersten Mannschaft mittrainiert und dann in der U19 und in der zweiten Herren-Mannschaft gespielt. Die Erste spielte damals ja noch in der eingleisigen Bayernliga und ich hatte anfangs schon große Zweifel, ob der Sprung dorthin für mich nicht zu groß sein würde. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass ich in den ersten beiden Jahren, in denen ich wenig Land gesehen habe, des öfters mit der SpVgg Lam über einen Wechsel verhandelt habe. Mein alter Jungendtrainer „Funs Aschenbrenner“ war zu dieser Zeit Trainer der 1. Mannschaft dort und wollte mich wieder zurückholen. Irgendwie ist es aber dann doch immer zu keinem Wechsel gekommen, weil ich mich durchbeißen wollte”, sagt Frisch rückblickend.

Am Ende sollte sich dies bezahlt machen. Am letzten Spieltag der Saison 2006/07 gab Frisch am letzten Spieltag sein Debüt bei den Herren am 2. Juni 2007 in der “alten” Bayernliga bei der 2:4-Niederlage beim SV Heimstetten. Frisch wurde in der 72. Minute für den Tschechen Jindrich Bittengl eingewechselt. Es sollten bis heute 357 Punktspiele mit neun Treffern und neun Torvorlagen werden. “Nimmt man alle Spiele zusammen, in denen ich in der Ersten gespielt habe, dann komme ich auf über 500 Einsätze. Meine Trefferausbeute war in meiner Karriere allerdings überschaubar”, schmunzelt Frisch, der bei einem Planungsbüro für Elektrotechnik in Blaibach arbeitet.

Florian Frisch war seit je her ein Kämpfertyp. Er war im zentralen Mittelfeld ein sehr unangenehmer Gegenspieler, der keinen Ball verloren gab. Das imponierte seinen Mitspielern und war auch die Basis für den Lohberger, dass er sich zum Stammspieler in der Bayernliga entwickeln konnte.Nach seinem Debüt am letzten Spieltag der Saison 2006/07 konnte Frisch in der Folgesaison 2007/08 schon 16 Einsätze feiern. Der Rechtsfuß, der heute mit seiner Ehefrau in Allersdorf in der Gemeinde Kollnburg wohnt, entwickelte sich mehr und mehr zur Stammkraft. „Aufgrund der deutlich höheren Einsatzzeiten im Vorjahr wollte mir einen Stammplatz beim FCK erkämpfen. Da mir dies dann dank harter Arbeit gelungen ist, wollte ich aus Kötzting natürlich nicht mehr weg. Auch nach dem Abstieg aus der Bayernliga, wo sich die Mannschaft komplett verändert hat, blieb ein harter Kern an Spieler zusammen. Einige davon wie Graf, Asche und später aber auch Liebl und Hofner waren jahrelang meine Weggefährten” lässt Frisch Revue passieren.

Als es zur Saison 2008/09 mit Walter “Just” Wanninger einen neuen Trainer an der Kötztinger Seitenlinie gab, da erhielt der Youngster noch mehr Spielzeit, denn Wanninger setzte auf junges Personal und Frisch kam ja dazu noch aus dem eigenen Stall. Der 1,75 Meter große Kicker, der eine feste Größe im zentralen Mittelfeld werden sollte, durfte gleich im Eröffnungsspiel gegen die Würzburger Kickers von Beginn an ran, stand in der Startelf: “Das weiß ich noch ganz genau. Wir hatten fast 3.000 Zuschauer im Stadion, die Hütte war voll. Aber wir lagen zur Pause 1:2 hinten, kassierten zu Beginn der zweiten Halbzeit das 1:3 und das Spiel schien verloren. Aber wir haben uns dann zurückgekämpft und am Ende noch 5:3 gewonnen. Was für ein Wahnsinnsspiel”, schwärmt Frisch noch heute von dieser Partie.

Das zweite Spiel dieser Saison sollte aus seiner Sicht noch bedeutsamer werden, denn der FCK musste am Mittwochabend bei der SpVgg Weiden, einem der Topfavoriten, antreten. “Weiden verschoss einen Elfmeter und unser Torwart Stephan Graßl hielt uns mehrmals im Spiel. Ich habe dann kurz vor der Halbzeit einen Pass zum 1:0 für uns über die Linie gegrätscht und das war das Siegtor. Mein erstes Bayernliga-Tor war also gleich ein sehr wichtiges.” Drei Tage später besiegten die Kötztinger im Heimspiel die SpVgg Bayern Hof mit 2:1 und mit neun Punkten aus drei Spielen stand der 1. FC Bad Kötzting das erste und einzige Mal an der Tabellenspitze: “Da standen wir am Montag sogar auf dem Titelblatt der Kötztinger Zeitung”, erinnert sich Frisch.

2010 wäre es aber beinahe doch anders gekommen. Erst hatte Weidens Trainer Gino Lettieri bei Frisch angeklopft und dann hatte Trainer Wanninger dem damals 21 Jahre alten Frisch einen Termin zu einem Probetraining beim TSV 1860 München besorgt: “Das war eine tolle Sache. Aber ich muss ehrlich sagen, dass da andere und natürlich bessere Fußballer als ich vortrainiert haben. Außerdem war ich mit meinen 21 Jahren schon zu alt um den Sprung zu den Löwen zu schaffen. Aber ein Erlebnis war dieses Probetraining dann doch für mich”, wirft der vorbildliche Kämpfer, der sich nie zu schade war auch mal die Drecksarbeit zu übernehmen, einen Blick zurück. So blieb er weiter seinem 1. FC Bad Kötzting treu, wurde später Kapitän und war über Jahre hinweg der Kopf der Mannschaft.  Einmal flog er in einem Bayernliga-Heimspiel gegen die SpVgg Hankofen-Hailing vom Platz, viermal musste Frisch mit Gelb-Rot vorzeitig runter. Dazu sagt der FCK-Spielführer: “Im Nachhinein muss ich hierzu aber sagen, dass vor allem meine einzige rote Karte, die ich von Schiedsrichter Wolfgang Wallesch bekommen habe, ein totaler Witz war. Aufgrund mehrerer mutmaßlicher Fehlentscheidungen sagte ich lediglich „die 3 schaffen es nicht, dass wir das Spiel verlieren

Der Schiedsrichter entschuldigte sich auch nach dem Spiel aber das Sportgericht musste mich aber für den Platzverweis sperren, ich bin aber mit einem Spiel Sperre davon gekommen”, erinnert sich der 1,75 Meter große Mittelfeldmann. Bitter war 2010 der Abstieg aus der Bayernliga: “Das begreife ich bis heute noch nicht so richtig. Denn wir hatten uns vor der Saison mit den beiden Ex-Zweitliga-Spielern Martin Oslislo und Jan Velkoborsky bestens verstärkt. Aber wir sind am Ende sang- und klanglos abgestiegen, eigentlich völlig unnötig, aber es lief die ganze Saison nichts zusammen und so mussten wir leider runter in die Landesliga Mitte.

Ein weiteres Highlight in der Laufbahn des Florian Frisch sollte die Saison 2013/14 werden. Unter Chefanweiser Manfred Stern absolvierte Frisch alle 34 Saisonspiele, sicherte sich mit dem FCK am Ende die Meisterschaft und stieg in die Bayernliga Süd auf. Doch am Ende fehlte ein Punkt zum direkten Klassenerhalt. “Ich wüsste einige Spiele, wo wir diesen einen Punkt liegengelassen haben. Da war zum Beispiel das Heimspiel gegen den FC Pipinsried, in dem wir trotz 2 Platzverweisen bis kurz vor Schluss 1:0 geführt haben. Der Schiedsrichter ließ dann am Schluss so lange spielen, bis wir 1:2 verloren haben.” Als “skandalös” bezeichnet Frisch auch das, was am letzten Spieltag passierte: “Wir haben ja die letzten vier Spiele gewonnen und nach dem finalen 3:1-Erfolg gegen den SV Pullach warteten wir auf den Abpfiff in Schwabmünchen gegen Pipinsried. Die  Partie in Schwabmünchen hat komischerweise schon 5 Minuten später als unser Spiel begonnen. Daher wusste man dort, dass wir gewonnen hatten und Pipinsried ließ Schwabmünchen in der Nachspielzeit noch mit 1:0 gewinnen. Der dortige Spielertrainer Tobias Strobl entschuldigte sich später in einem Interview dafür, was uns aber nichts half, denn wir sind dann in der Relegation abgestiegen, anstatt den direkten Klassenerhalt geschafft zu haben.

Ein trauriger Moment war nach den beiden Bayernliga-Abstiegen noch der der 5. April 2017, als sich Frisch beim 1:1 im Auswärtsspiel bei Fortuna Regensburg das Kreuzband im rechten Knie riss und fast ein Jahr brauchte, ehe er wieder auf den Platz zurückkehren konnte. “Ich bin bis auf eine Schambeinentzündung vor meinem Kreuzbandriss und eine dreimonatige Verletzung am Sprunggelenk in der Vorbereitung 2018 von weiteren schweren Verletzungen verschont geblieben”, blickt Frisch zurück, der als Trainings-Weltmeister gilt und eine Teilnahme an den Übungseinheiten von 99 Prozent aufweist: “Ich war eigentlich immer da, hab immer trainiert.

Doch das wird sich nun ändern. Die Corona-Pandemie hat schon dazu beigetragen, dass Frisch sich etwas vom aktiven Fußball entwöhnt hat: “Ich will jetzt erst einmal Abstand von der Regelmäßigkeit gewinnen, dass ich nicht dreimal die Woche ins Training und am Wochenende zum Spiel muss. In der notgedrungenen Pause aufgrund Corona konnte ich mich gezwungener Maßen ja schon mal auf die Zeit nach Fußball vorbereiten.” Langweilig wird es dem Kapitän dann sicher nicht, da er beruflich sehr eingespannt ist und Frisch will sich am rechten Knie noch an einem Knorpelschaden operieren lassen. “Das wird alles zusammen sicher ein Jahr dauern. Mal sehen, was bis dahin passiert. Sportlich muss ich mir natürlich jetzt eine neue Beschäftigung suchen, denn ich habe vielen Anfragen von unterklassigen Vereinen bereits eine Absage erteilt. In der spielfreien Zeit während der ersten Coronapause war ich letztes Jahr schon viel mit dem Fahrrad unterwegs. Vielleicht werde ich dann ab und zu wenn ich kann mit dem Fahrrad zu den Kötztinger Heimspielen fahren." Denn auch wenn Florian Frisch dem Fußball nun Ade sagen wird, so kann er doch nicht ganz davon lassen. Im Stadion Am Roten Steg, seinem zweiten Wohnzimmer, wird man den Kämpfer bestimmt das eine oder andere Mal auf der Tribüne sehen können. dme